Zürich - bald autofrei?

Zürcher Initiative: „Strassenräume für alle“ – das musst du wissen

Die städtische Volksinitiative «Strassenräume für alle!» will den Verkehr in Zürich neu gestalten. Ihr Ziel: weniger Autos, mehr Platz für Menschen. Wir ordnen ein.

Worum geht es konkret?

Die Initiative fordert, dass Strassen künftig primär dem Aufenthalt, dem Fuss- und Veloverkehr sowie dem öffentlichen Verkehr dienen. Motorfahrzeuge sollen nur dort fahren, wo sie notwendig sind – etwa für Rettungsdienste, ÖV, Lieferverkehr, Gewerbe oder Menschen mit Mobilitätseinschränkungen.

Was ist das Ziel der Initianten

Sie argumentieren mit höherer Lebensqualität, weniger Lärm und weniger Abgasen, mehr Sicherheit im Strassenraum sowie dem Klimaschutz. Städte sollten nicht vom Autoverkehr, sondern von Menschen geprägt sein. „Zürich leidet unter Platzmangel, Lärm, gefährlichem Verkehr und Hitzeinseln. Autos nehmen viel Raum ein, verursachen CO2, Lärm und Unfälle“, erklären die Initianten.

Kritik und Gegenargumente

Gegner befürchten Einschränkungen für Gewerbe, Pendelnde und Familien. Lieferverkehr und Erreichbarkeit von Geschäften könnten leiden. Zudem wird die Alltagstauglichkeit infrage gestellt: Nicht alle Wege lassen sich sinnvoll mit ÖV, Velo oder zu Fuss bewältigen. Wie es der ACS (Auto Club Schweiz) Zürich formuliert: „Diese Forderungen greifen massiv in das bestehende, grundsätzlich funktionierende Verkehrssystem der Stadt ein. Sie gefährden Mobilität, Versorgungssicherheit und die wirtschaftliche Entwicklung.“

Probleme bei der Umsetzung

Rechtlich sind flächendeckende Einschränkungen des Autoverkehrs schwierig, da die Kompetenzen nicht nur bei der Stadt, sondern teils auch beim Kanton oder beim Bund liegen. In der Umsetzung braucht es komplexe Lösungen für Logistik, Rettungsdienste und Spezialverkehr. Politisch ist das Thema stark umstritten.

Sachliche Einschätzung

Ein vollständig autofreies Zürich ist kurzfristig unrealistisch. Wahrscheinlicher ist, dass die Initiative als Druckmittel wirkt um das Autofahren so unattraktiv wie möglich zu machen: autoarme Quartiere, Tempo-30-Zonen noch drastischer ausweiten, Parkmöglichkeiten beschränken und Einbahnstrassen sowie autofreie Strassen schaffen. Auch das neue „VBZ-Abo für 365 Franken“ zielt in diese Richtung ab, indem es eine bezahlbare Alternative zum Individualverkehr bietet. Die Initiative setzt einen klaren Impuls – die konkrete Umsetzung muss jedoch deutlich pragmatischer ausfallen.

Stand der Dinge

Die Initiative ist gültig zustande gekommen. Der Stadtrat teilt die Grundidee, lehnt die Initiative in ihrer Radikalität aber ab und arbeitet an einem moderateren Gegenvorschlag. Dazu hat der Stadtrat beim Gemeinderat die Ausarbeitung der entsprechenden Umsetzungsvorlage mit zusätzlichem Gegenvorschlag beantragt. Ob es zu einer Abstimmung kommt, ist offen. Eine Antwort des Stadtrates wird im Frühjahr 2026 erwartet.

Wenn heute über die Initiative „Strassenräume für alle“ abgestimmt würde, wie würdest du abstimmen?

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Strassenräume für alle

Wenn heute über die Initiative „Strassenräume für alle“ abgestimmt würde, wie würdest du abstimmen?

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3 comments

  1. Sehr ausführlich geschrieben!

  2. Ohne Auto wäre Hölle, bitte nein!

  3. Nur schon die Parkplätze weg von der Strasse unterirdisch oder in Parkhäuser umzusiedeln würde viel mehr Fläche für Entsiegelung, Bäume und Begegnungszonen bieten. Autos brauchen in geparktem Zustand kein Tageslicht, wir Menschen schon!